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Was kostet ein Segeltörn? Bordkasse pro Person realistisch kalkulieren

Der Charterpreis ist nur die halbe Rechnung. Was Hafengebühren, Diesel, Verpflegung und Kurtaxe wirklich kosten, wie viel Bordkasse pro Person und Tag realistisch ist — und warum die meisten Crews zu knapp kalkulieren.

Euro-Scheine, Münzen, Quittungen und ein Notizbuch mit Zahlenkolonne auf dem Cockpittisch einer Charteryacht, im Hintergrund unscharf ein Mittelmeerhafen im Abendlicht

Kurz gesagt

Neben dem Charterpreis fallen auf einem Segeltörn Bordkassen-Kosten von etwa 25 bis 40 Euro pro Person und Tag an — für eine Woche im Mittelmeer also 200 bis 300 Euro pro Kopf. Darin stecken Hafengebühren, Diesel, Lebensmittel, Kurtaxe und gelegentliche Restaurantbesuche. Wer fast jeden Abend essen geht, landet eher bei 50 bis 70 Euro pro Tag. Nicht in die Bordkasse gehören Kaution, Anreise und persönliche Ausgaben. Eine gute Faustregel: den Betrag ausrechnen und 15 Prozent Puffer dazulegen.

Der Charterpreis steht im Vertrag, geteilt durch acht, fertig. So rechnen viele Crews — und wundern sich dann am dritten Tag, warum die Bordkasse schon halb leer ist. Der Charterpreis ist nur die halbe Rechnung. Die andere Hälfte entsteht unterwegs: Hafengebühren, Diesel, Lebensmittel, Kurtaxe, Restaurants. Und genau diese Hälfte wird auf fast jedem Törn zu knapp geschätzt.

Dieser Artikel zeigt, was ein Segeltörn wirklich kostet: Posten für Posten, mit Zahlen pro Person und Tag, einem Rechenbeispiel für eine Woche in Kroatien und dem Vergleich zur Ostsee. Und mit der Antwort auf die Frage, die auf jedem Törn irgendwann fällt: Wer zahlt eigentlich für den Skipper?

Drei Töpfe, die nichts miteinander zu tun haben

Bevor irgendwer eine Zahl nennt, lohnt sich eine saubere Trennung. Ein Segeltörn hat drei Kostenblöcke, und Streit entsteht fast immer, wenn sie durcheinandergeraten.

Der Charterpreis. Steht im Vertrag, wird Wochen vor dem Törn bezahlt, meist in zwei Raten. Je nach Yacht, Revier und Saison zwischen 2.000 und 6.000 Euro pro Woche. Er wird durch die Anzahl der Kojen geteilt, nicht durch die Anzahl der Personen — wer eine Doppelkabine allein belegt, zahlt üblicherweise beide Plätze.

Die Kaution. Eine Sicherheitsleistung an den Vercharterer, meist 1.500 bis 4.000 Euro, per Kreditkarte hinterlegt und bei schadensfreier Rückgabe vollständig zurückerstattet. Sie ist keine Ausgabe, sondern ein Risiko — und darüber sollte die Crew vor dem Törn gesprochen haben, nicht nach dem Kratzer im Gelcoat. Wie man die Rückgabe so vorbereitet, dass die Kaution zurückkommt, steht in unserer Charterübernahme-Checkliste.

Die Bordkasse. Alles, was unterwegs anfällt und der ganzen Crew zugutekommt. Um diesen Topf geht es hier.

Was in die Bordkasse gehört

Die Bordkasse ist die gemeinsame Kasse für gemeinsame Ausgaben. Dazu zählen:

  • Hafengebühren inklusive Wasser und Strom am Steg
  • Diesel für die Rückgabe mit vollem Tank
  • Lebensmittel und Getränke an Bord
  • Kurtaxe und Aufenthaltsgebühren, in Kroatien pro Person und Nacht
  • Nationalpark- und Naturparkgebühren, etwa für die Kornaten oder Mljet
  • Gas, Endreinigung, Bettwäsche, falls nicht im Charterpreis enthalten
  • Gemeinsame Restaurantbesuche, wenn die ganze Crew dabei ist

Nicht in die Bordkasse gehören persönliche Ausgaben: das Eis am Steg für die eigenen Kinder, das Souvenir, das Taxi zum Flughafen, der Cocktail, den nur zwei von acht getrunken haben. Wo genau die Grenze liegt, entscheidet jede Crew selbst. Entscheidend ist, dass sie vor dem Ablegen gezogen wird.

Die fünf großen Posten mit Zahlen

Die folgenden Werte sind Erfahrungsbereiche für eine 40- bis 45-Fuß-Yacht mit sechs bis acht Personen in der Hoch- und Nebensaison. Sie ersetzen keine Recherche fürs konkrete Revier, aber sie zeigen, in welcher Größenordnung sich die Bordkasse bewegt.

1. Hafengebühren: der größte und am schwersten planbare Posten

Im Mittelmeer hängt die Hafenrechnung fast ausschließlich davon ab, wie oft die Crew in eine Marina will. Für eine Yacht zwischen 12 und 14 Metern gilt in Kroatien:

  • Große Marina, Hochsaison: 100 bis 200 Euro pro Nacht
  • Stadthafen oder Gemeindekai: 50 bis 100 Euro
  • Mooringboje in einer Bucht: 40 bis 80 Euro, oft mit Restaurantbesuch als Gegenleistung
  • Ankern: kostenlos

Eine typische Woche mit drei Marinanächten, zwei Stadthäfen, einer Boje und einer Ankernacht summiert sich auf 500 bis 700 Euro für das Boot. Wer jede Nacht in eine ACI-Marina will, verdoppelt diesen Posten. Wer viel ankert, halbiert ihn.

2. Diesel: überschaubar, aber am letzten Tag fällig

Eine Charteryacht dieser Größe verbraucht unter Motor drei bis fünf Liter pro Stunde. In einer Woche kommen 15 bis 25 Motorstunden zusammen: Hafenmanöver, Flauten, der Motorsegel-Rückweg gegen den Wind am letzten Tag. Das ergibt 60 bis 120 Liter, also 120 bis 250 Euro, die kurz vor der Rückgabe an der Tankstelle fällig werden.

Der Betrag ist klein, hat aber eine Tücke: Er kommt ganz am Ende, wenn die Bordkasse schon leer ist. Deshalb gehört er von Anfang an in die Kalkulation.

3. Verpflegung: der Posten, den die Crew selbst steuert

Wer an Bord kocht, kommt mit 15 bis 25 Euro pro Person und Tag für Lebensmittel und Getränke aus. Frühstück, Mittag als Salat oder Sandwich, zwei bis drei Abendessen an Bord, dazu Wasser, Kaffee, Bier und Wein. Der Großeinkauf am ersten Tag liegt für acht Personen typischerweise bei 400 bis 600 Euro, danach kommen kleine Nachkäufe in den Hafenorten dazu.

Wie sich das ohne Chaos planen lässt, welche Mengen pro Person realistisch sind und was bei Allergien zu beachten ist, steht in unserem Artikel zur Essensplanung auf dem Segeltörn.

4. Restaurants: der Posten, der die Kalkulation sprengt

Ein Abendessen in einer Konoba am Hafen kostet mit Getränken 30 bis 60 Euro pro Person, am Steg der bekannten Inseln auch mehr. Die Frage ist nicht, ob die Crew essen geht, sondern wie oft. Zwei- bis dreimal pro Woche passt in den Rahmen von 25 bis 40 Euro pro Tag. Jeden Abend essen gehen verdoppelt die Bordkasse.

Genau hier lohnt sich ein ehrliches Gespräch vorab. Eine Crew, in der drei jeden Abend an Land wollen und fünf lieber kochen, braucht eine Regel, ob Restaurantbesuche über die Bordkasse laufen oder jeder für sich zahlt. Der Splitwise-Modus löst das elegant: Nur wer dabei war, zahlt mit.

5. Kurtaxe, Nationalparks, Nebenkosten

In Kroatien fällt eine Aufenthaltsgebühr von rund 1 bis 1,50 Euro pro Person und Nacht an, die meist über die Charterbasis abgerechnet wird. Nationalparks kosten extra: Für die Kornaten liegt das Tagesticket für eine Yacht dieser Größe je nach Kaufzeitpunkt zwischen 60 und 200 Euro, für Mljet gilt ein Eintritt pro Person. Dazu kommen Kleinigkeiten wie Gasflasche, Eis für die Kühlbox oder die Wäscherei in der Marina. Zusammen sind das 80 bis 150 Euro pro Woche für die Crew.

Rechenbeispiel: eine Woche Kroatien, acht Personen

Posten Für das Boot Pro Person
Hafengebühren (3× Marina, 2× Stadthafen, 1× Boje, 1× Anker) 600 € 75 €
Diesel (ca. 90 Liter) 180 € 23 €
Lebensmittel und Getränke an Bord (7 Tage) 1.120 € 140 €
Restaurants (3 Abende, 40 € pro Person) 960 € 120 €
Kurtaxe, Nationalpark, Gas, Kleinkram 120 € 15 €
Zwischensumme 2.980 € 373 €
Puffer 15 % 450 € 56 €
Bordkasse gesamt 3.430 € 429 €

Rund 430 Euro pro Person für eine Woche, davon gut 55 Euro als Puffer, der bei ruhigem Törn zurückfließt. Ohne Restaurants und mit mehr Ankernächten sinkt die Summe auf etwa 250 Euro. Mit täglichem Marinaaufenthalt und Abendessen an Land steigt sie auf 600 Euro und mehr.

Zum Vergleich: Der Charterpreis einer 45-Fuß-Yacht im Juli liegt bei etwa 4.500 Euro, also gut 560 Euro pro Koje. Die Bordkasse ist damit fast so groß wie der Charteranteil. Wer sie beim ersten Gespräch mit der Crew unterschlägt, produziert später Überraschungen.

Ostsee, Nordsee, Nebensaison: was sich ändert

Auf der Ostsee kehrt sich die Rechnung teilweise um. Die Häfen sind mit 20 bis 45 Euro pro Nacht deutlich günstiger, und fast jede Nacht liegt man im Hafen, weil es kaum Ankerbuchten gibt. Dafür kosten Lebensmittel in Dänemark und Schweden spürbar mehr als in Kroatien, und Restaurantbesuche schlagen mit 40 bis 70 Euro pro Person zu Buche. Unter dem Strich landen Ostsee-Crews bei 20 bis 35 Euro pro Person und Tag.

In der Nebensaison sinken vor allem die Hafengebühren, im Mittelmeer oft um ein Drittel. Der Diesel steigt dagegen, weil bei unbeständigem Wetter mehr motort wird. Und Ausbildungstörns außerhalb der Saison sind meist Kochtörns: viel an Bord, wenig an Land, entsprechend günstig.

Wer zahlt für den Skipper?

Die Frage kommt auf jedem Törn, auf dem nicht ein Freund aus der Crew das Ruder übernimmt. Die Antwort folgt einem alten Seemannsbrauch: Auf geführten Törns und Skippertrainings übernimmt die Crew den Bordkassen-Anteil des Skippers. Er bringt seine Qualifikation und Verantwortung ein, die Crew seine Verpflegung. Bei acht Personen sind das rund 50 Euro pro Kopf für die Woche.

Auf privaten Freundestörns zahlt der Skipper dagegen wie alle anderen. Beide Regeln sind üblich; falsch ist nur, sie nicht vorher auszusprechen.

Vier Fehler, die Crews immer wieder machen

Zu knapp kalkulieren. Wer mit 150 Euro pro Person losfährt, muss am vierten Tag nachschießen — und Nachzahlungen sind das unbeliebteste Gespräch des Törns. Lieber mit Puffer starten und am Ende zurückzahlen.

Restaurants vergessen. Kaum eine Crew kocht sieben Abende. Wer die drei Konoba-Abende nicht einplant, unterschätzt die Bordkasse um ein Drittel.

Den Diesel übersehen. Er kommt am letzten Tag, wenn der Topf leer ist.

Die Regeln nicht vorher klären. Was zählt als gemeinsame Ausgabe, wie wird abgerechnet, was ist mit dem Skipper? Ein Gespräch von zehn Minuten vor dem Törn erspart eine Diskussion von zwei Stunden am letzten Abend.

So wird aus der Schätzung eine saubere Abrechnung

Die Kalkulation ist der erste Schritt. Der zweite ist, die Ausgaben unterwegs so zu erfassen, dass niemand am Ende rätseln muss, wer den Diesel bezahlt hat.

In Sailto legt die Crew dafür eine gemeinsame Bordkasse an. Im Splitwise-Modus streckt vor, wer gerade zahlt, fotografiert den Beleg, und die App berechnet am Ende den Ausgleich mit möglichst wenigen Überweisungen — meist zwei oder drei statt zwanzig. Im Topf-Modus zahlen alle den kalkulierten Betrag vorab ein, und der Topfstand ist für jeden sichtbar. Welcher Modus zu welcher Crew passt, vergleichen wir im Artikel Bordkasse fair aufteilen.

Die Bordkasse im Splitwise-Modus ist in Sailto dauerhaft kostenlos, für unbegrenzt viele Törns und ohne Crew-Limit. Der Topf-Modus gehört zum Törn-Pass für einmalig 14,99 Euro pro Törn — der sich, passenderweise, über die Bordkasse teilen lässt.

Fazit

Ein Segeltörn kostet neben dem Charterpreis etwa 25 bis 40 Euro pro Person und Tag an Bordkasse, im Mittelmeer für eine Woche also 200 bis 300 Euro, mit vielen Restaurantbesuchen deutlich mehr. Die größten Hebel sind Marinanächte und Abendessen an Land — beides Entscheidungen, die die Crew gemeinsam trifft. Wer die Posten vorher durchgeht, einen Puffer einplant und die Regeln ausspricht, erlebt am letzten Abend keine Überraschung. Sondern höchstens eine Rückzahlung.

Häufige Fragen